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Reingefallen…

oder: 7 Minuten für die Artenvielfalt

Reingefallen … Was bin ich doch naiv!

Es geht mir leider immer wieder so … ich höre jemanden etwas „Wichtiges“ sagen – Politiker oder so –

Das klingt dann ganz einleuchtend und ich denke: >Ja, stimmt, der hat recht – das klingt logisch!

Und dann – kommt jemand, der stellt genau das infrage – hat ganz andere Argumente – und das klingt ebenso logisch und ich denke – äh, ja, stimmt eigentlich auch – auf den ersten Redner wäre ich irgendwie reingefallen. So ist das wohl mit Leuten, die gut reden können! Sie überzeugen – manchmal mit zum Teil dubiosen oder gar gefährlichen Botschaften – also: Besser zweimal hinhören – ich bin nur leider nicht so schnell darin … brauche manchmal einen Tag, um in Ruhe darüber nachzudenken, was der oder Diejenige da so gesagt hat …

Und jetzt? Schon wieder? Da ist so einer, der schildert seine Sache derart drastisch und einleuchtend und nachvollziehbar – Vor allem, weil man merkt, der hat ne Menge erlebt und weiß, was er sagt und was er tut! Er ist halt überzeugend – beschreibt gekonnt journalistisch die Menschheit und ihr Leben auf – mit – und vor allem von der Erde – von und in der Natur, aus der er stammt – wie er das so hinkriegt … und Gedanken zu seiner – also unserer Zukunft auf der Erde.

Hm – Eben darum und dieses Mal habt Ihr mich nicht! Dieses Mal bilde ich mir meine eigene Meinung und vertrete sie auch, selbst wenn jemand behaupten sollte: Das was der sagt ist doch völlig übertrieben – der reiht doch nur lauter schlimme Dinge aneinander – das muss man doch getrennt voneinander betrachten oder besser noch – global sehen! Das ist doch ein Extremist mit dem, was der von sich gibt!

Nein! Manchmal muss man Dinge einfach drastisch schildern – so darstellen, als seien sie überzogen oder übertrieben – einfach, damit die Botschaft bei den Leuten ankommt – weil nette Geschichten nunmal niemanden überzeugen!

Darin sind wir doch geübt! Und genau das – in ähnlicher Weise habt ihr das vielleicht schonmal irgendwo gehört – vielleicht auch mit so´nem Unterton von wegen „diese Religiösen Spinner“:

Gemeint sind die vielen Berichte, Erzählungen und Geschichten in der Bibel die zum Teil einfach drastisch und im wahrsten Sinne unglaubliches erzählen:

  • Gott hat die Welt in sechs Tagen erschaffen – einfach so …
  • Mose teilt das Meer mit einer Art Zauberstab und das gesamte Volk Israel – mehr als 10 Tausend Menschen entkommen den Ägyptischen Soldaten …
  • Mose spricht persönlich mit Gott und schleppt schwere Steintafeln vom Berg mit 10 Geboten, die ab sofort für alle gelten … hat Gott die nicht sogar selber da reingemeißelt?
  • Der Zwerg David erlegt den Riesen Goliath mit einem einzigen Steinwurf und gewinnt damit eine große Schlacht …
  • Jona versucht Gott zu entkommen, landet im Bauch eines Wales – überlebt das sogar unversehrt …

Und dann Jesus …

  • geht übers Wasser zu seinen Jüngern …
  • befielt dem Sturm zu schweigen – und es klappt auch noch …
  • macht aus Wasser Wein …
  • speist tausende Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen … alle werden satt …
  • erweckt den toten Lazarus wieder zum Leben …
  • heilt Kranke, die auf abenteuerliche Weise zu ihm gebracht werden …

 

 

 

 

Puh … wenn das nicht alles ein bisschen dick aufgetragen ist!

Na und? Kommt doch an – da hört man hin! Und: Schließlich sollte man das Denken beim Hören nicht vergessen: Es geht meist nicht um das Drama selbst in den Geschichten, sondern um die Botschaft, die hinter allem steckt, die uns zeigt, wer und wie Gott ist und sein so genanntes Reich. Schon damals, als die Geschichten erzählt wurden gelang das wohl schon am ehesten so, indem die Dinge drastisch, dramatisch, – halt eindrücklich geschildert wurden – oder so, wie sie waren – wer weiß das schon wirklich? Jedenfalls überlege ich jedes Mal, was wohl von einer Geschichte übrigbleibt, wenn ich nicht an das glaube, was so dramaturgisch hochgepuscht erzählt wird … und da bleibt doch immer ein wichtiger Kern, eine Botschaft übrig, die eigentlich genau so eindrücklich ist wie die Dramaturgie selbst, an die ich so schwer glauben kann.

Ich möchte nun aber keine biblische Geschichte analysieren – das tut ja jeder von uns immer mal wieder selbst …

Mir geht es um das, wofür ich gerade so brenne – davon habe ich ja schon erzählt:

Vielleicht muss ich schon aufpassen, dass ich das nicht zu oft erzähle und die Leute anfangen, die Augen zu verdrehen.

Also: Da hab ich im Januar einen Podcast gehört, der mich irgendwie geflasht hat. Gesprächszeit auf Bremen zwei mit Dirk Steffens – Wissenschaftsjournalist und Moderator der Sendung Terra X. Und nachdem ich den gehört hatte musste mich echt erstmal überprüfen, ob ich da nicht wieder auf so einen guten Redner reingefallen bin, wie mir das gerne mal passiert. Denn er schildert auf journalistische Art beinhart, wie es um uns steht, erklärt auf eindrückliche Weise Zusammenhänge des ökologischen Gleichgewichts unserer Erde und unseres Lebens – wie es in Teilen zu verstehen ist. Gleichzeitig schildert er drastisch, wie gestört dieses für das gesamte Leben notwendige Gleichgewicht ist und hat jede Menge Beispiele parat, was wir Menschen damit zu tun haben – wie wir mit unserer egoistischen Grundprägung leider so gar nicht mit dem Auftrag Gottes verantwortungsbewusst umgehen im Sinne von „die Erde bebauen und bewahren“. Wobei er selbst nicht von Gott spricht, das dichte ich nun noch dazu … Aber das finde ich nicht entscheidend.

Auf mich wirkt das, was er im Podcast und in seinem Buch schildert drastisch, aber ich glaube und fürchte – das allermeiste stimmt so drastisch, wie er es darstellt! Dabei muss ich ehrlicher Weise sagen, dass Vieles von dem, was er und sein Co.-Autor im Buch erzählen eigentlich gar nicht so neu ist – Manches –kommt mir bekannt vor – Aber das, was sie erzählen ist sehr gebündelt und mit jede Menge Beispielen dargestellt zu einem Drama der Menschheit. Ende aus … Ende – Aus ?

Nein, denn Dirk Steffens bezeichnet sich als Optimist – Er ist guter Dinge bei dem Blick auf die Zukunft, wenn er sieht, was nämlich zurzeit alles gelingt in dieser Corona-Zeit an „beinharten“ Maßnahmen – die zu einem großen Teil auf wissenschaftlichem Wissen basieren. Wenn der Mensch will, dann kann er auch. Also ist folglich Wollen = Können – sagt er!

Genau das bringt er mit dem Thema Artensterben in Verbindung und sagt: Das Gute ist – wir wissen alles – wir wissen, was zu tun ist – wir brauchen nur noch die Ärmel hochkrempeln und endlich anfangen, etwas zu tun – und wir können vieles erreichen – wenn jeder mit anpackt! Auch das ja ist kein neuer Satz – passt aber gerade wieder heiß aufgewärmt perfekt in unsere Zeit, macht aber auch deutlich, wie dringlich es ist, sich zu bewegen. Das Schöne ist, finde ich: Er sagt nicht, dass es etwas Schreckliches ist, sich aufzumachen und etwas für die Artenvielfalt und gegen den Klimawandel zu tun … Er betont es nicht als tonnenschwere Last, etwas zu tun, also, von wegen, dass man ganz schwierig auf ganz viel verzichten und unangenehmste Dinge tun muss. Nein! Er macht deutlich, dass es sogar Spaß machen kann, Dinge zu tun – sich aufs Fahrrad zu schwingen, um die alltäglichen Strecken zu fahren – Dinge auszuprobieren und zu tun – und da komme ich zu meinem aktuell großen Thema: einfach ein Blumenbeet anlegen, über dessen Ergebnis man sich freuen kann und gleichzeitig etwas Gutes getan hat … Das ist die Botschaft, die bei mir ankommt, indem er zwar Dinge sehr drastisch darstellt und gebündelt zusammenbringt, indem er sagt: „Es steht nicht gut um unsere Welt – es ist sehr spät und für manches sogar zu Spät (immerhin verlieren wir an jedem einzelnen Tag statistisch 150 verschiedene Tier- und Pflanzenarten) und er betont dabei aus seiner Sicht das Thema Artensterben als das Schwerwiegendste – Aber er sagt: Wir können etwas tun. Jede und jeder! Auch die Kleinen Dinge helfen – wenn man sie in der Masse als etwas Ganzes betrachtet – Und: Es ist nicht zu spät. Gemeinsam sind wir stark!  – Das ist ja auch kein neuer Satz – kommt bei mir aber gerade in diesem Zusammenhang gut an … und hoffentlich bei ganz vielen anderen auch, die sich davon ein wenig anstecken lassen.

In diesem Sinne …

Amen

Manfred Ahlers

 

Buchempfehlung: Über Leben, Dirk Steffens u. Fritz Habekuss, Penguin-Verlag

Das Buch ist wirklich gut zu lesen und bringt die Dinge, die im Podcast angeklungen sind nochmal deutlicher und ausführlicher zum Ausdruck und gibt gute Denkanstöße.

Michael Hinrichs

Michael Hinrichs

Michael Hinrichs ist Kirchenkreisjugendwart im Kirchenkreis Wesermünde. Zu seinen Arbeitsfeld gehören, neben administrativen Aufgaben, das Betreuen des KKJKs, das Organisieren der Sommerfreizeit "color your faith" und das Konfirmanden-Segelseminar "Die Flotte." Sein Dienstsitz befindet sich in Beverstedt. Kontakt: henner@freun.de

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